Was ist eine unklare Verkehrssituation?

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hans_olo
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Was ist eine unklare Verkehrssituation?

Beitrag von hans_olo » 07 Dez 2007 09:25

Hi,

ich krieg grad nen MEGA-Hals:

die gegnerische Versicherung versucht mir 30% abzuziehen, mit der Begründung, ich hätte aus einer unklaren Verkehrslage heraus zum Überholen angesetzt...

Das Fahrzeug vor mir fuhr sehr langsam, mit Tendenz zum rechten Strassenrand hin. Es war kein Blinker zu sehen, auch keinerlei Kopfbewegung des Fahrers. Ansonsten war in allen Richtungen alles frei, es war weder ein Überholverbot ausgewiesen noch ein durchgezogener Strich auf der Strasse.

Was bitte ist daran eine unklare Verkehrslage? Auch die Polizei meinte damals, das sei keine unklare Verkehrslage gewesen, da ja der Blinker kaputt war und ich den deshalb nicht sehen konnte.

Mein Anwalt will das übrigens so stehen lassen, ich frage mich, ob ihm die Schadenssumme zu gering ist, um sich ein wenig anzustrengen. Genau dafür habe ich mir ja einen Anwalt genommen? Die sonstige Abwicklung hätte ich auch selber hinbekommen, und um Dimensionen schneller. Ich ruf den jetzt deswegen an, aber die Antwort kann ich mir schon ausmalen: Das lohnt nicht, deswegen vor Gericht zu gehen, das kostet mehr als es bringt, wenn sie verlieren, tragen sie alle Kosten, usw. Leben wir eigentlich in einem Rechtsstaat oder in einem Land, in dem sich die Gerechtigkeit an der Wirtschaftlichkeit der zu erwartenden Urteile orientiert?

Tschüß,

Stefan

machmach
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Beitrag von machmach » 07 Dez 2007 09:47

Sach ma, wou lebschn Du?

Der Anwalt hat Interesse am Geldverdienen. Du mußt Dir einen aussuchen, der keinen Mercedes und keine R1200GS fährt. Also einen, der seine Rentenversicherung kaum bezahlen kann. Davon gibt es genug.

Außerdem kannst Du am Amtsgericht auch ohne Juristen antreten, brauchst aber ein wenig Erfahrung, denn sonst kegelt Dich der Richter gleich aus dem Gerichtssaal.

Oder, noch besser, Du machst dem den Mund wässrig, indem Du von offenen Forderungen in 6-stelliger Höhe erzählst, die Du demnächst einklagen wirst. Dann wird der Kerl gierig, wie alle Juristen, und macht auch den Mist für fast lau.
Hochachtungsvoll!
KF
(Vor Diktat verreist.)

hans_olo
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Beitrag von hans_olo » 07 Dez 2007 09:59

"Der Idealfahrer, und das ist der, den die Gerichte vorraussetzen und sehen wollen, wäre in dieser Situation hinten geblieben." Das war die Antwort.

Das Fahrzeug wird ohne klar erkennbaren Grund langsamer, und deswegen muß ich warten, bis klar zu erkennen ist, was der Fahrer vor mir tut.

"Und wenn wir vor Gericht gehen, würden wir den Prozess mit Sicherheit verlieren. Seien Sie doch froh, das ich 70% herausgeholt habe."

"Sie müssen da einsichtiger werden, sie haben sich in dieser Situation nicht richtig verhalten."

@machmach: Die letzte Frage war eher rhetorischer Natur...

Irgendwann ist es soweit ...

Tschüß, Stefan

hcw
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Beitrag von hcw » 07 Dez 2007 10:19

Gerechtigkeit gibts vor Gericht nicht. Ich würde alles versuchen nicht vor Gericht zu gehen. Hab da leider bereits sehr schlechte Erfahrungen gemacht.

Besten Gruß
Christian
... gone fishing ...

pramus
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Beitrag von pramus » 07 Dez 2007 10:24

Stefan meine persönliche Einschätzung:

Egal wo Du es heute mit Behörden und Gerichten zu tun hast, Alle wollen nur schnell und einfach ihre "Statistik", ihr von oben vorgegebenes Soll, erfüllen. Und das wirklich so einfach wie möglich. Meine Erfahrung zeigt, dass bei Gericht deshalb zu 99,9% nur Vergleiche geschlossen werden - darauf arbeitet im Zivilprozeß jeder Richter hin! Mir ist in den letzten Jahren keine eindeutige Entscheidung mit 100%-iger Abweisung oder Stattgabe der Klage bekannt geworden !!!!!

Und bezüglich Strassenverkehr: Schon dann, wenn Du aus Deinem Haus rausgehst und Dich in den öffentlichen Verkehr begibst, dann nimmst Du ein Risiko auf Dich, das Du dann im Falle eines Knalles mit irgend einem Prozentsatz vorgesetzt bekommst und zu tragen hast. Das ist imho Fakt!

Kennst im Übrigen den Spruch: Nur auf hoher See und vor Gericht bist Du allein in Gottes Hand.

Es ist schon kernig: "Ist doch mir wurst, ob es durch meinen nicht funktionierenden Blinker zu einem Unfall kommt - da gehn wir vor Gericht und der andere ist dann mitschuld".

Und alle spielen da mit! Die Richter - die haben schnelle Verfahren, Die Versicherungen - beide Beteiligte erhöhen durch Wegfall des SFR die Prämien, und die Damen u. Herren Anwälte - na ja - die wollen auch leben. Soviel zu Deutschland und der Rechtsstaatlichkeit! Amen!

Beiss in die Tischplatte oder kauf 5 Liter Benzin .... oder ....
Wenn Du das Verfahren weiter treibst, hast Du zum Schluß vielleicht nur noch 15 % "Schuldanteil", aber an den Folgekosten bleibst Du immer auch teilweise dran hängen.

Gruß, Pramus - der deswegen "von ganz allein" nach 36 Jahren Motorradfahren mangels Erfahrung von der DR gefallen ist - und der Polizist hat bei dieser Aussage förmlich gestrahlt und sich bedankt! :wink: -

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Beitrag von hans_olo » 07 Dez 2007 10:45

Keine Angst, ich treib das nicht weiter. Mir ist schon klar, wie das Spiel läuft, ich mach diese Erfahrung ja nicht zum ersten Mal und nicht nur im Strassenverkehr. Ich finds halt ultra-mega-kacke, das man so gut wie nichts gegen diese Verfahrensweisen machen kann. Nie ist jemand allein an irgendwas schuld, irgendwer anderes ist immer mit im Boot, auch wenn der gar nix dafür kann. Selbst schuld, wenn man lebt. Scheisse ist das. Aber wohl die Realität.

Irgendwie sinkt meine Bereitschaft permanent, jede Kröte zu schlucken und mich mit jedem Umstand zu arrangieren, der mir von aussen aufgezwungen wird.

Tschüss, Stefan

pramus
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Re: Was ist eine unklare Verkehrssituation?

Beitrag von pramus » 07 Dez 2007 11:20

hans_olo hat geschrieben:....
die gegnerische Versicherung versucht mir 30% abzuziehen, mit der Begründung, ich hätte aus einer unklaren Verkehrslage heraus zum Überholen angesetzt...
.....
Mein Anwalt will das übrigens so stehen lassen, ich frage mich, ob ihm die Schadenssumme zu gering ist, um sich ein wenig anzustrengen. Genau dafür habe ich mir ja einen Anwalt genommen? Die sonstige Abwicklung hätte ich auch selber hinbekommen, und um Dimensionen schneller....
Nachklapp: Hatte gerade ein Telefonat mit einer Anwältin, welche mich wg. Schadensregulierung bei einem Motorradunfall angerufen hat.

Hab gleich mal nachgehakt - die meinte 30% wäre heftig, i.d.R. liegt der "Anteil" bei 20-25% ! Und es lohne sich auf jeden Fall etwas Härte gegenüber der Verischerung zu zeigen - bist ja noch nicht bei Gericht :wink: Und Forderungen stellen! Verdienstausfall - u. Schmerzensgeld!!!
Vllt. hast Du Recht bezügl. der Bedenken im Hinblick auf Deinen Rechtsverdreher. Frag doch mal beim Günni nach, der gibt Dir bestimmt qualifiziert ein kurzes Statement.

- Pramus -

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Re: Was ist eine unklare Verkehrssituation?

Beitrag von hans_olo » 07 Dez 2007 12:10

pramus hat geschrieben:...

Hab gleich mal nachgehakt - die meinte 30% wäre heftig, i.d.R. liegt der "Anteil" bei 20-25% ! Und es lohne sich auf jeden Fall etwas Härte gegenüber der Verischerung zu zeigen - bist ja noch nicht bei Gericht :wink: Und Forderungen stellen! Verdienstausfall - u. Schmerzensgeld!!!
Vllt. hast Du Recht bezügl. der Bedenken im Hinblick auf Deinen Rechtsverdreher. Frag doch mal beim Günni nach, der gibt Dir bestimmt qualifiziert ein kurzes Statement.

- Pramus -
Ich hab dem Anwalt bereits gesagt, er solle das jetzt abschliessen. Ich habe grad tausend andere Dinge um die Ohren, und er hatte bereits versucht, mehr rauszuholen. Ich hab keinen Bock mehr, ich pfeif auf die möglichen 5%, das macht mich dann auch nicht arm. Ich weiss, man sollte hartnäckiger sein, aber es gibt grad nen Haufen andere Dinge, die meine Kraft und Geduld erfordern, da kann ich nicht auch noch den Anwalt zusätzlich motivieren ;-) Ich werde den jedenfalls nicht weiterempfehlen...

Tschüß, Stefan

pramus
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Was ist eine unklare Verkehrssituation?

Beitrag von pramus » 07 Dez 2007 12:49

Hab halt das Telefonat erst nach meinem ersten Schrieb geführt und dann gleich das neu dazugekommene Wissen hier weitergegeben. War halt etwas zu spät für Dich. Logo, irgendwann setzt man einen Punkt und die Sache ist abgehakt. Jop, OK. Beiss Dich durch das Andere durch - bald ist 2008 und es wird ja alles nur noch besser :?
Und um den Thread abzurunden und zur Wissenserweiterung für uns, wäre es doch interessant zu wissen, welche Versicherung uns als Motorradfahrer so "gefährdet" einschätzt und entsprechend kalkuliert. Ich denke, dass hier bekanntzugeben ist noch erlaubt und gefährdet nicht unsere Plattform wenn es lediglich zur Kenntnis genommen und nicht weiter groß diskutiert wird.

Gruß, Pramus

hans_olo
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Beitrag von hans_olo » 07 Dez 2007 13:11

Der Unfallgegner ist bei der Allianz versichert. Ich persönlich glaube nicht, daß es da wirklich Unterschiede gibt, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Ich hatte vor ca. 15 Jahren mal nen Rechts vor Links-Unfall, wo mir jemand von links reingefahren ist. Waren auch 25% Abzug, auch mit Anwalt, ich hatte damals auch definitv keine Chance, den Unfall zu vermeiden. Das sei die grundsätzliche Mitschuld an einem Unfall, wenn man sein Fahrzeug innerhalb eines Stadtgebietes bewegt. Und als Motorradfahrer hat man wahrscheinlich eh noch zusätzlich einen "Bonus".

Tschüß, Stefan

Gast

Beitrag von Gast » 07 Dez 2007 13:22

Gelöscht auf Userwunsch: Dennis (28.05.2009 19:36)

Gast

Beitrag von Gast » 07 Dez 2007 13:35

Gelöscht auf Userwunsch: Dennis (28.05.2009 19:36)

pramus
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Beitrag von pramus » 07 Dez 2007 13:45

Alles klar !! Danke Günther !

Ich schlage vor, der Thread wird dichtgemacht und in den FAQ für alle Zeiten und für künftige Fragen zwecks Erleuchtung gesichert.

machmach
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Beitrag von machmach » 07 Dez 2007 13:52

@ Baumschubser

Mach Dir nix draus. Meine Meinung zu diesem Thema im Allgemeinen fußt auf jahrelanger und auch - aber nicht nur - leidvoller Erfahrung.

Ich behaupte, daß in keinem Beruf, so viel Interessenlosigkeit, Unfähigkeit, Gleichgültigkeit .... - läßt sich fortsetzen - dennoch zu Einkommen führt. Dies gilt für alle Sorten Jouristen, aber nicht für jeden Einzelnen.

Zum speziellen Thema Richter, da könnte ich Beispiele aufzählen, die dieser staatstragenden Sorte Mensch, oder wie soll ich da schreiben, ....
... ich lasse es lieber.
Hochachtungsvoll!
KF
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Martl
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Beitrag von Martl » 07 Dez 2007 13:54

Und damit es alle lassen, was auch Machmach läßt, wird wie Pramus wünscht verfahren.

Schloß druff und ab dafür, auch wenn's nix technisches ist...ich würds lieber hier lassen und nu ist es'ne Ankündigung und bleibt deswegen immer oben

Grüße
"Es gibt scho gnuag di ma soang wos i tua soi, da datst ma du groat obgehn"..................................................................................I'm drunk you think,
It's not the fall that kills, it's the sudden stop at the end ..........................................................................................................................................as you am is not.

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